Rumpenheimer Schloss



Österreichs Kaiser Franz Joseph war da, und aus Russland Zar Alexander III.
Aus Dänemark kamen die Könige Christian IX. und Friedrich VIII.
Vor ihren Krönungen waren auch Englands Königin Mary und
der englische König Edward VII. zu Gast.

Historisches Foto um 1860


In den Jahren 1787-88 und im Jahre 1805 erweiterte Landgraf Friedrich das Schloss zu einer dreiflügeligen Anlage, bestehend aus einem großen Mittelbau, der durch quadratische Pavillonbauten flankiert war. An diese schlossen sich rechtwinklig zwei langgestreckte niedrige Seitenflügel an, die ihren Anschluss wiederum in Pavillons fanden. Die Seitenflügel waren durch Durchfahrten unterbrochen, die vom Schlosshof aus durch den Westflügel zur Fähre und durch den Ostflügel zum Garten führten. Im Jahre 1786 hatte sich Landgraf Friedrich mit Caroline Polyxene, Prinzessin von Nassau-Usingen, vermählt, die ihm acht Kinder schenkte. Weil seine Kinder nach ihrer Heirat über ganz Europa verteilt waren, fanden jährlich im Sommer Zusammenkünfte statt, in der sich die gesamte Familie bei ihrem Oberhaupt, dem alten Landgrafen, in Rumpenheim traf. Landgraf Friedrich bestimmte Rumpenheim zum gemeinschaftlichen Besitz seiner Kinder, nach deren Ableben es an seinen ältesten Enkel, den Prinzen Friedrich Wilhelm von Hessen, fallen sollte. Die Geschwister trafen die Verabredung, jedes zweite Jahr in den Sommermonaten in Rumpenheim zusammen zukommen und dort einen ständigen Sammelpunkt für alle Familienmitglieder zu schaffen. Die Verabredung wurde jahrzehntelang eingehalten. So verwuchs im Laufe der Zeit das Schloss immer mehr mit der Geschichte der Familie. Zu den auswärtigen Besuchern der regelmäßigen Zusammenkünfte gehörten unter anderem des Prinzen Tochter Auguste mit ihrem Mann, dem Herzog von Cambridge, und deren Enkelin Mary (später Gemahlin König Georgs V. von England), seine Enkelin Adelheid von Anhalt mit ihrem Mann, dem Herzog Adolf von Nassau und späterem Großherzog von Luxemburg, seine Enkelin Luise mit ihrem Mann, dem König. Christian IX. von Dänemark, seine Urenkel, König Friedrich VIII. von Dänemark, Alexandra mit ihrem Mann, König Eduard VII. von England, König Georg I. von Griechenland, Dagmar mit ihrem Mann, dem Kaiser Alexander III. von Russland, Thyra mit ihrem Mann, dem Kronprinzen Ernst August von Hannover, und Prinz Waldemar von Dänemark. Dazu kamen die zahlreichen deutschen Verwandten. Es konnte nicht ausbleiben, das auch die Politik besonders in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts bei den Familientagen zuweilen eine Rolle spielte und das friedliche Schloss zeitweise in Unruhe versetzte. Einen besonderen Ansturm von fürstlichen Gästen aus aller Welt verzeichnete das Jahr 1868, als in Frankfurt am Main der „Fürstentag" veranstaltet wurde, zu dem auch Kaiser Franz Joseph aus Wien gekommen war, der wiederholt Rumpenheim besuchte. Auch Bismarck ist als preußischer Bundestagsgesandter wiederholt in Rumpenheim gewesen. Nach den Kriegen 1864 und 1866 kamen die ausländischen Verwandten nicht mehr nach Rumpenheim. Die Dänen, die mit England, Russland und Hannover verschwägert waren, zog es nicht mehr nach Deutschland, auch die nassauisch-luxemburgische Familie blieb fern, und nur die deutsche Verwandtschaft traf sich noch dort. Zwar setzten sich die internationalen Familientage auch weiterhin fort, aber nicht mehr in Rumpenheim, sondern im Schloss Fredensborg in Dänemark. Durch die Eingemeindung in die Stadt Offenbach verlor Rumpenheim am 1. April 1942 seine Selbständigkeit. Am 20. Dezember 1943 fielen Bomben auf das Schloss, wodurch der Mittelteil zerstört wurde und der Hauptbau ganz ausbrannte.

Helmut Hill,
Herausgegeben vom Presse- und Informationsamt der Stadt Offenbach.





Englands Königin Mary, die Großmutter Königin Elisabeth II., gehörte zu den oft gesehenen Gästen in Rumpenheim.

1863 konnten die an Höfisches gewöhnten Rumpenheimer Dörfler ein besonderes Schauspiel erleben. In ihre Nationaltrachten gekleidet erschien eine griechische Gesandtschaft, um in Rumpenheim dem Prinzen Wilhelm von Schleswig-Holstein-Glücksburg die griechische Königskrone anzutragen. Er nahm sie an und reiste von Rumpenheim gen Hellas. Ende des 19. Jahrhunderts verblasste der höfische Glanz. 1866 hatte Preußen das Kurfürstentum Hessen-Kassel annektiert. Hanau und Rumpenheim fanden sich in einer preußischen Provinz.
Die Familientage des europäischen Hochadels in Rumpenheim kamen nicht mehr zustande.




1902 verließen die Letzten der fürstlichen Besitzer das Schloss Rumpenheim,um fortan im ererbten Schloss Kronberg im Taunus zu leben.




Als die Stadt Offenbach 1965 Schloss und Park erwarb, gewann es eine Ruine, mit der es lange Zeit nichts Rechtes anzufangen wusste.




Heute ist das Schloss aufwendig restauriert und in Eigentumswohnungen umgewandelt.